Abraham als Identifikationsfigur für Christen, Juden und Muslime  verkörpert nicht nur die bedingungslose Hingabe an Gott (in den heiligen Schriften durch die eben noch abgewendete Opferung des Sohnes Isaak/ Ismael), sondern auch die offenherzige Gastfreundschaft. Dies betont Imen Ben Temelliste. Die muslimische Wissenschaftlerin war gemeinsam mit der jüdischen Sozialpädagogin Jenia Brecht und Regisseurin Jennifer Münch im Evangelischen Jugendwerk Öhringen zu Gast.

Bei einem Austauschprojekt zwischen der tunesischen Insel Djerba und der fränkisch geprägten Kreisstadt waren 23 Tunesier/innen 14 Tage zu Gast in Deutschland. Den Abschluss ihres Aufenthaltes bildete ein Treffen mit einem Abrahamischen Team. Der Auftakt zum interreligiösen Dialog erfolgte über die Methode des szenischen Spiels. Neben Lockerungsübungen und Improvisation gab es viele Fragen – ganz besonders das jüdische Leben in Deutschland war von Interesse.

Auf Djerba mit einer der ältesten jüdischen Gemeinden weltweit funktioniert das Zusammenleben gut, die nordafrikanischen jüdischen Traditionen fallen hier aber anders aus. Ein jüdische Frau in Hosen am Schabbat wäre etwas besonderes, kommentiert ein Teilnehmer. Hosen sind in Deutschland üblich, aber auch hier kennt das Judentum seine 365 Verbote und 248 Gebote. Am Ende muss aber jede/e selbst entscheiden, wie diese in den Alltag integriert werden, informiert Jenia Brecht. Beim Verstehen dieses beeindruckenden Regelwerks helfen ihre mitgebrachten Realia wie Kippa, Menora, Kiddush Becher und Haggada. Daniel Febel, Bezirks-Jugendreferent in Öhringen möchte dem Team im kommenden Jahr für die Arbeit Jugendlichen aus dem Hohenloher Kreis gerne wieder die Gastfreundschaft erweisen.

Text und Foto: Stephanie Krauch

 

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