Courage Blog

Abrahamische Grüße

Zum Ramadan 2020 senden wir allen Muslimen Abrahamische Grüße

Glaube und Aberglaube - ein interreligiöser Blick auf Chancen und Gefahren im Umgang mit der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie bietet Demagogen, Verschwörungstheoretikern und Extremisten einen Tummelplatz für mehr oder weniger salonfähige Auslegungen und Theorien, die den Ursprung der Seuche erklären und fragwürdige Mittel zur Bekämpfung aufzeigen wollen. Neben dem pathetischen Aufruf aus den USA zum patriotischen Feldzug und totalen Krieg gegen den unsichtbaren Feind, finden sich auch Bilder von der jüdischen Weltverschwörung der “Rothschilds”, der kollektiven Strafe Gottes und einer neuenautoritären Weltordnung jenseits aller errungen Menschen- und Freiheitsrechte.  Die Frage nach dem Sinn der aktuellen Seuche und damit verbundener ethische Maximen für unser Handeln beschäftigen viele Menschen. Welche Chancen ermöglichen sich für die Religionen? Welche Gefahren sind hingegen mit Aberglaube und religiös begründeten Verschwörungstheorien verbunden? Wir posten drei Beiträge eines abrahamischen Teams.   

 

Kein Ramadan wie jedes Jahr - mit Gottvertrauen und Solidarität gegen die Corona Krise

von Imam Tuncay Dinçkal

Der Frühling in diesem Jahr zeugte für mich persönlich von einer besonderen Wichtigkeit. Die jüdischen Geschwister sollten den Pessach begehen, die christlichen Geschwister Ostern und wir als muslimische Geschwister den Ramadan. Eine Aneinanderreihung von spirituellen Festen, bei denen Gott und seine Schöpfung gefeiert werden sollten. So wie jedes Jahr. Zumindest dachten wir das, bis die COVID 19 Realität uns einholte und wir uns mitten in einer großen Herausforderung fanden.

Der Glaube an den Schöpfer und die damit verbundenen Praktiken spielen in der Religion des Islam eine zentrale Rolle. Der Glaube ist für mich etwas Persönliches, Intimes und besitzt doch eine soziale Bindungskraft. In der Religion des Islam ist die Formel des Glaubens in den Grundlagen des Glaubens offengelegt.

Ein/e Muslim/a glaubt an Allah (Gott), an die heiligen Bücher, die Er offenbart hat, an die Propheten, die Er gesandt hat, an die Engel, die Ihm dienen, an den Tag der Auferstehung im Jenseits und an die göttliche Vorsehung (Gott prüft seine Schöpfung mit Heil und Unheil). Die Welt als Prüfung zu betrachten und darauf hinzuarbeiten mit den diesseitigen Verdiensten im Jenseits belohnt zu werden, ist die Sichtweise von uns Muslimen. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass diese Glaubensverpflichtungen nur Menschen betreffen, die aus freiem Willen heraus bereit sind zum Glauben. Im heiligen Koran wird diese Tatsache mit der Aussage: „Es gibt keinen Zwang in der Religion (2/256)“ verdeutlicht. Obwohl die islamische Glaubenslehre aus dem Koran geschöpft und mit den Praktiken des Propheten Muhammad (S) befestigt wurde, spielte in Relation zum Glauben, der Unglaube und der Mangel an Gottvertrauen stets eine Rolle in muslimischen Communitys: “Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder oder Nachbarn wünscht, was er für sich selbst wünscht.” Prophet Muhammad (S) (an-Nawawi: Vierzig Hadithe, 13. Überlieferung.)

In den ersten Stunden nach Bekanntwerden des COVID 19 Ausmaßes machten sich in den sozialen Medien Gerüchte breit, die davon berichteten, dass dieser Virus von Menschenhand in die Welt gesetzt wurde, um bestimmte Gruppen anzugreifen. Eine weitere verbreitete Theorie ist, dass Gott seinen Zorn auf die Menschen entsandt hat. Auf der einen Seite finden wir Verschwörungstheoretiker, die sich von großer Unsicherheit leiten lassen. Auf der anderen Seite haben wir ultra-orthodoxe Menschen, die meist am Rande der Gesellschaft leben und diese Pandemie mit Gott und Bestrafung assoziieren. Ich sehe das anders:

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Pandemie unsere Generation vor eine noch nie dagewesene Probe stellt und zugleich, dass Gott uns die Chance gegeben hat, angesichts dieser Krise zusammenzuwachsen. In den letzten Jahren beobachtete ich eine stetige Individualisierung und Gleichgültigkeit gegenüber unseren Nächsten. Dieser Abwärtstrend unserer moralischen Wertegemeinschaft steht heute ebenso auf der Probe. Und wir haben es gut gemeistert. Wir haben uns dieser Prüfung gestellt und innerhalb von wenigen Tagen Aktionen und Hilfsangebote für gefährdete Altersgruppen organisiert. Die Corona-Tage sind für mich eine andauernde Chance vergessene Werte neu zu entdecken. Solidarität, Wertschätzung, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und der Glaube an etwas Größeres, als die eigene Person. Ich weiß nicht, wie lange diese außerordentliche Zeit andauern wird, aber ich weiß, dass wir die gemachten Erfahrungen zukünftig einsetzen und richtig kanalisieren können, wenn wir es wollen.

Mein Wunsch ist es, dass wir aufhören zu hassen. Gemeinsam und nebeneinander stehen, gegen Rassismus, Menschenhass, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und anderen Menschenfeindlichkeiten. In diesem Sinne wünsche ich uns allen Besonnenheit, Gesundheit und meinen muslimischen Geschwistern ein herzliches Ramadanfest.

 

Corona lässt sich nicht wegbeten, aber gibt uns Christen neue Handlungsräume

von Enno Krüger
Das Christentum hat, wie andere Religionen auch, eine lange Erfahrung mit Seuchen. Sogenannte Gutleuthöfe und -kapellen aus dem Mittelalter erinnern daran. Damals wie heute stellen sich Menschen die Frage: Warum lässt Gott das massenhafte Leiden und Sterben zu? Eine kurze und bündige Antwort darauf hat das Christentum nicht. Jesus selbst hat sich immer wieder auf die Begegnung mit Aussätzigen eingelassen und den wegen ihrer Krankheit Ausgestoßenen den Weg zurück in die Gesellschaft geöffnet.
Neuerdings wird wieder behauptet (wie schon beim Ausbruch der HIV-Infektionen), Corona sei eine Strafe Gottes für unbelehrbares Fehlverhalten. Dazu hat Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in Deutschland, im Ostergottesdienst von St. Matthäus zu München erklärt, an einen solchen Gott glaube er nicht.
Im Zusammenhang mit der Heilung eines Blinden hat Jesus den unterstellten Zusammenhang von Krankheit und Sünde ausdrücklich dementiert: „Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9, 3).
Von Gottes Erbarmen spricht schon das Alte (Erste) Testament in unfassbar schönen Bildern: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“ (Jes 42, 3).
Menschen machen in der Krise mitunter die Erfahrung, dass sich schlimme Situationen nicht einfach ‘wegbetenʾ lassen, aber durchaus positive Nebenwirkungen entfalten können. Kontaktsperren und Ladenschließungen erzwingen eine Vereinfachung und Entschleunigung des Lebensstiles, was sich im Einzelfall durchaus wohltuend auswirken kann. Der tiefere Sinn des wirtschaftlich und kulturell hart umkämpften arbeitsfreien Sonntags (biblisch: Sabbats) erschließt sich manchem neu.
Die Krise stellt auch die Kirchen vor große praktische Probleme. Soziales (diakonisches) Handeln ist ohne persönliche Zuwendung kaum denkbar. Wer teilt jetzt noch Essen an Obdachlose aus? Papst Franziskus erinnerte an die rund sechzig italienischen Priester, die in den letzten Monaten starben, weil sie nicht von der Seite infizierter Menschen gewichen sind. Wie wirkt es sich auf eine Gemeinde aus, wenn sie sich nicht mehr am Ort versammeln kann? Das Engagement der Kirchen, aber auch das der einzelnen Christen und Christinnen, wird die Gesellschaft brauchen, wenn es darum geht, die noch gar nicht absehbaren sozialen und psychischen Langzeitfolgen der Coronakrise zumindest abzumildern.
In der aktuellen Situation sind wir vielleicht mehr als je zuvor auf Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft angewiesen. Die Vielfalt wissenschaftlicher Meinungen und deren Kurzlebigkeit können uns aber auch ängstigen. Und wir spüren, dass uns Vertrauen, Zuversicht und Lebensmut noch von anderer Seite her zuwachsen müssen. Die große Sinnfrage muss jeder und jede für sich selbst beantworten, aber sie sollte immer wieder von uns gestellt werden dürfen.

Was schützt uns vor Corona - Mythen ? Über Mundschutz, Aufklärung und Zivilcourage

von Manja Altenburg

Weltverschwörungstheorien haben derzeit eine bessere Konjunktur als die Weltwirtschaft. Eine von ihnen sieht in dem Coronavirus eine „jüdische“ Biowaffe, hinter der die jüdische Weltverschwörung steckt. Leider hilft gegen solche Behauptungen kein Mundschutz.
Doch genau genommen ist es ja nicht das erste Mal, dass wir Juden als Feindbild herhalten müssen. Schon in biblischen Geschichten finden wir tiefschürfenden Judenhass. So auch im Buch Esther: „Alle Juden, vom Knaben bis zum Greis, Kinder und Frauen, an einem einzigen Tag zu vertilgen, zu erschlagen, zu vernichten und ihre Habe zu vernichten“ (Esther 3,13). Das war der Plan vom Judenhasser Haman im alten Perserreich. Doch Königin Esther durchkreuzte seinen Plan und errettete das jüdische Volk. In Gedenken daran feiern wir Juden jährlich das fröhliche Purimfest. Doch wie hat Esther das gemacht? Sie trat entschlossen für ihr Volk ein und ermutigte es zum Widerstand. Sie bewies, so würde man heute sagen: wahre Zivilcourage. Und daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen.
Auf jeden Fall tut es gut, dass wir heutzutage nicht allein gelassen werden. Auch die staatliche Seite bietet uns Unterstützung an. Antisemitismusbeauftragte gehen aktiv gegen antisemitische Hetze vor. Dennoch sollte man sich deshalb noch lange nicht zurücklehnen. Jeder von uns kann im Alltag im kleinen gesellschaftspolitischen Rahmen mutig sein wie Esther und gegen solche Theorien aufstehen. Eigentlich ist das ganz einfach. Denn wo kein Mundschutz hilft, da mach die Klappe auf!

Junge Courage Beiträge

Jugendliche, SchülerInnen und Studierende verschiedener Glaubensrichtungen erzählen, wie sie ihren Alltag unter den neuen Bedingungen in  Zeiten der Corona-Pandemie gestalten. Gebet, Fahrrad, Apps, …  was hilft am besten das ungewohnte Leben ohne Schul- oder Unialltag neu zu strukturieren?

Schabbat Schalom zum 01 Mai 2020

Zum Schabbat wünschen wir allen ein gesegnetes Fest und posten den wöchentlichen Beitrag, der für die Schabbatstunde im Unterrichtsfach jüdische Religion an der I.E.Lichtigfeld-Schule Frankfurt entstanden ist. Hier besprechen Lehrer und Schüler gemeinsam Aktuelles aus dem wöchentlichen Thora-Abschnitt. Aufgrund der aktuellen Situation erfolgen die Unterrichtseinheiten digital.

 

Von Morgengebeten und der Playstation

Najib El Yazidi

Najib ist Schüler am Gymnasium in Gernsheim und lernt im Moment – wie eigentlich alle – zu Hause. Audio-Beitrag gepostet am 15.04.2020.

Glaube in Zeiten von Corona

Jüdische, christliche und muslimische Menschen werden in den kommenden Wochen und Monaten nicht nur gegen den Corona-Virus kämpfen, sondern auch vor der Herausforderung stehen, wichtige religiöse Praktiken so zu gestalten, dass sie trotz Quarantänemaßnahmen Spiritualität, Hoffnung und ungewohnte Formen der Gemeinschaft ermöglichen.

Die hier folgende Textreihe nimmt Zitate aus den Heiligen Schriften der drei abrahamischen Religionen auf und setzt sie zur aktuellen Situation in Bezug. Sie wollen Mut machen und Hoffnung geben.

Bleiben Sie mitfühlend und gesund!

Beitrag von Petra Kunik
Um einen Weg in den verunsichernden Tagen der Corona-Krise zu finden, befragte ich die Tora, ihre Auslegungen im Talmud, die weitere jüdische Gesetzgebung und deren Interpretationen. Wenn wir im 2. Buch Mose (15,16) lesen: “ICH bin der Ewige, dein Arzt”- bedeutet das nach der jüdischen Tradition nicht, dass der Mensch nicht eingreifen soll, weil alle Krankheiten und deren Verlauf vorbestimmt sind.
Vielmehr überträgt Buber-Rosenzweig 2. Mose 21.18 mit: »… und lasse heil ihn, ausheilen«. Zu der Verdoppelung »lasse ihn heil ausheilen« interpretiert Rabbi Malbim (1809 – 1879, Ukraine) als Verpflichtung, bei Rückfall oder Verschlimmerung eines Krankheitsverlaufes weitere ärztliche Maßnahmen zu ergreifen.
Heute, in den bedrückenden Tagen der Corona-Krise müssen “WIR” die Weltgemeinschaft als das große “WIR“ wahrnehmen. „WIR“ müssen auf die Experten hören und ihre Anweisungen befolgen. Höchste Priorität hat jetzt: Leben zu schützen – Leben zu erhalten, indem wir Abstand halten, ohne die Empathie zu unseren Nächsten zu verlieren. In den ernsten Tagen der Corona-Krise bedeutet das – Zusammenhalten und Rücksichtnehmen aus Solidarität mit den Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen, die besonders geschützt werden müssen. Um sich und andere zu schützen, muss jetzt jede und jeder von uns im Alltag erhebliche Einschränkungen akzeptieren. »… und lasse heil ihn, ausheilen«.

Bleiben Sie mitfühlend, sensibel und vor allem gesund. Schalom

Muslime verrichtet das Gebet in euren Häusern !

Beitrag von Hilal Akdeniz

Die Welt steht vor einer großen Herausforderung. Corona ist nicht die erste und wohl kaum die letzte große Prüfung, vor der sich viele Menschen gestellt sehen. Beim historischen Rückblick sehen wir eine Reihe von Epidemien, wie etwa 1920 die „Spanische Grippe“ oder 1820 die große Cholera Epidemie. Neu ist für uns vielleicht, dass sich im Zuge der Globalisierung auch Epidemien verändern und zu Pandemien werden, von denen alle weltweit betroffen sind. Neben der Betroffenheit nimmt auch die Verantwortung eines jeden einzelnen von uns zu. Die Menschen in China, im Iran, in Amerika, Italien oder in unserer Nachbarschaft können uns nicht „egal“ sein, denn die Bekämpfung dieses Virus, welches keine Unterschiede zwischen Ethnie oder Religion macht, kann nur gemeinsam erfolgreich sein.

Muslime sind sichtlich besorgt über die berechtigt starken Maßnahmen, die getroffen werden. Dazu gehören vor allem der komplette Stillstand des Zugangs zu den heiligen Gebetsstätten in Mekka (Kaaba) und Medina (Grabstätte des Propheten Muhammad) und den gemeinsamen Gebeten in den Moscheen. So hatten viele Muezzins (Person, die über das Minarett zum Gebet ruft) mit zittriger Stimme beim Ezan (Gebetsruf der Muslime) statt „kommt schnell zum Gebet“- „verrichtet das Gebet in euren Häusern“ ausgerufen. Diese Praxis wurde bereits zu Zeiten des Propheten ausgeübt um ansteckende Krankheiten einzudämmen oder aber die Menschen bei Naturkatastrophen zu schützen. Auch in Deutschland sind die Moscheen bis auf weiteres geschlossen um den Ausbruch der Krankheit zu verlangsamen.

Muslime wissen, dass alles von Gott erschaffen ist (Sure 2:117) und dass auch die Lösung aller Krankheiten bei Allah „…der mich, wenn ich erkranke, heilt, …“ (Sure 26:80) liegt. Krankheiten und Epidemien bilden für Muslime eine Grundlage für Ausnahmezustände und erfordern besondere Rücksicht, wie zum Beispiel Waffenstillstand in Kriegszeiten oder die Versorgung von alten und sozial schwachen Mitmenschen. Sie dienen immer der Besinnung, der Entschleunigung des Tagesgeschehens und der Fokussierung auf das Gebet.

Die wohl prägnanteste Überlieferung zum Thema Krankheit findet sich im Koran über den Propheten Hiob. Nach langer Krankheit und sozialer Ausgrenzung werden Hiobs Gebete erhört und er erfährt Heilung: „Da erhörten wir ihn und nahmen, was an Unglück an ihm war, von ihm und gaben ihm seine Familie zurück, und mit ihr noch einmal so viel, aus Barmherzigkeit von uns als Mahnung für die Dienenden“ (Sure 21:84).

So sind auch wir, heute vielleicht vielmehr als zuvor, in das Gebet vertieft und beten für die gesamte Menschheit, so als sei jede und jeder von uns Hiob.

 

 

Die Hoffnung auf Ostern - ohne Gang in die Kirche

 

Beitrag von Susanna Faust – Kallenberg

Kein Ostern ohne Karfreitag, keine Auferstehung ohne Kreuzigung! So erinnern sich Christen jedes Jahr in der Karwoche, wenn sie das Evangelium vom Kreuz lesen, an die Sterbestunde Jesu.  Die Orgel schweigt am Karfreitag, erst in der Osternacht geht das Licht im wahrsten Sinne des Wortes wieder an, die Osterkerze wird entzündet: Das Leben hat den Tod besiegt!

Das Corona-Virus bereitet uns auf vielfältige Weise Angst. Es ist nicht nur eine Bedrohung für Leib und Leben vieler Menschen, sondern auch ein Angriff auf das alltägliche Zusammenleben von Familien und die eigene wirtschaftliche Existenz. Wie kann sich ein Christ an Karfreitag die Hoffnung auf Ostern bewahren, wenn es um uns immer dunkler zu werden scheint?

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten! Er ist nicht hier! Er ist auferstanden!“ (Luk. 24,5) verkünden die Engel den Freundinnen Jesu Christi am Ostermorgen, als diese noch ganz in ihrer Trauer um den am Kreuz Gestorbenen gefangen sind. Ihnen muss man noch erklären, was spätere Generationen von Ostern her schon wissen: Wer an das Leben glaubt, kann dem Tod ins Auge sehen.

Auf die aktuelle Situation schauend will uns die Botschaft von Lukas sagen: Dort wo das Virus Grenzen setzt, ist die Hoffnung grenzenlos. Die Angst mag den Menschen auf sich selbst beschränken, aber die „angeordnete Ruhepause“ bringt uns Entschleunigung, kann Zeit für diejenigen schaffen, für die sonst die Zeit fehlt. Es ist ein anderes, aber kein unmögliches Leben, das uns nachhaltig verändern wird.

Andrà tutto bene - Vom Gottvertrauen in Zeiten des Corona Wahnsinns

Don Giuseppe Berardelli aus Bergamo war Erzpriester, er verstarb in der Nacht vom 15. März 2020 mit 72 Jahren an der Krankheit Covid 19. Er ist einer der vielen hunderten, die täglich im eigenen Haushalt oder auf den überlasteten Intensivstationen und Notkrankenhäusern Italiens der Epidemie erliegen.

Besonders an seiner Geschichte sind aber sicherlich die Berichte der italienischen Medien. Sie heben hervor, der Priester habe aus Nächstenliebe gehandelt, indem er sein von der Gemeinde für ihn bereitgestelltes Beatmungsgerät freiwillig für einen anderen Unbekannten und viel Jüngeren hergegeben habe, um dessen Leben zu retten.

Die schnell erzählte Geschichte von dem offenherzigen und lebensfrohen Geistlichen, der offenbar in seiner Gemeinde ein großer Sympathieträger war, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Da ein Trauerzug nicht möglich war, hätten die Italiener von den Balkonen aus klatschend ihm sein letztes Geleit gegeben.

Die Nachricht rührt und bewegt uns Leser auch aus der Ferne, selbst wenn wir nicht die genauen Hintergrundmotive des charismatischen Priester auf dem Guzzi – Motorrad kennen. Vielleicht sind sie auch nicht wichtig. Es ist die Botschaft, die Hoffnung und Trost gibt.

„Andrà tutto bene” – „alles wird gut“, steht auf vielen Bettlaken und Plakaten, welche die Italiener in diesen Tagen von ihren Balkonen hängen. Wir wünschen es Ihnen und hoffen es für sie, so wie für uns selbst. Zwischen den Ängsten über unsere eigenen möglichen finanziellen Engpässe, dem aufkommenden Unmut über die vielfach verhängten Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen und all die noch nicht absehbaren Folgen, welche die neue soziale Isolation mit sich zieht – brauchen wir solche Geschichten von Verzicht, Gottvertrauen und Nächstenliebe.

Stephanie Krauch

 

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