Der Arche-Noah-Tag am 22. Mai

Noah und die Bienen

Religionen engagieren sich mit Festen für die Erhaltung und Bewahrung der Natur. Frühere Traditionen werden heute wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Das gilt besonders für das Arche-Noah-Fest, bei dem an die Rettung von Mensch und Tier vor einer Naturkatastrophe erinnert wird. Diese Geschichte ist in verschiedenen Religionen lebendig.

Den 22. Mai erklärten die Vereinten Nationen als Internationalen Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Er soll das Bewusstsein für die Bedeutung der biologischen Vielfalt für das Leben von Menschen stärken. Damit wird das Überleben von Menschen und Tieren in der Arche Noah inhaltlich aufgegriffen. Religionen erinnern zu unterschiedlichen Daten an Noah und die Arche. Es wird angeregt, das Arche-Noah-Fest gemeinsam in der Zeit um den 22. Mai zu feiern.

Der 20. Mai wurde von den Vereinten Nationen als Weltbienentag ausgerufen. An ihm soll die Bedeutung von Bienen für die Natur und Menschheit bewusst gemacht werden.Beide Tage hängen inhaltlich zusammen und können von Menschen unterschiedlicher Religionen gemeinsam gefeiert werden.

Die Arche Noah in den Religionen:

An die Arche-Noah wird in verschiedenen Religionen erinnert. Im Judentum wird Noah von Gott versprochen, „nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.“ (Genesis 9,11). Als Zeichen dafür sendet Gott den Regenbogen. Im Judentum wird Noah ein Sabbat im Jahr gewidmet, an dem die Bibelstelle verlesen wird. Ein eigenes Arche-Noah-Fest gibt es allerdings im Judentum nicht. Im Christentum existieren unterschiedliche Gedenktage an Noah, der mit seiner Familie und den Tieren die Sintflut überlebte: Bei orthodoxen Christen ist es z.B. der 10. Mai und bei Katholiken der 16. Dezember. Dabei wird an das Versprechen von Gott erinnert, dass die Menschen nie wieder eine Sintflut erleben werden.

Im Islam ist Noah ein Prophet, dem im Koran eine eigene Sure gewidmet wird (Sure 71). Um das Überleben nach der Sintflut zu feiern wird ein Festessen vorbereitet. Da es jedoch nur noch wenige Lebensmittel gab, wurde eine Suppe aus allen Resten gekocht, die Aschura-Suppe. Im Alevitentum wird mit der Aschura-Suppe aus zwölf Zutaten an den Propheten Noah erinnert. Als Symbol der Dankbarkeit wird die Süßspeise unter Verwandten, Bekannten und der Nachbarschaft verteilt und gemeinsam gegessen. Im Ezidentum hat eine Schlange ein Loch in der Arche Noah verschlossen und sie so vor dem drohenden Untergang bewahrt. Schlangen gelten daher bei den Eziden als heilige Wesen.

Die Arche Noah und die Artenvielfalt feiern

Wir möchten Anregungen geben wie ein Arche-Noah Fest gestaltet und gefeiert werden kann. Neben religiösen Aspekten spielt hier auch der Erhalt der Artenvielfalt und Biodiversität eine tragende Rolle.
Vorbereitungen für ein Arche-Noah Fest
  • Einladungen zu einem Fest erfolgen von Religionsgemeinden, religiösen Zusammenschlüssen oder einer Gruppe von Menschen an Gemeinden und Menschen unterschiedlicher Religion oder ohne Religion. An manchen Orten ist eine gemeinsame Schifffahrt möglich, mit der Menschen unterschiedlicher Religion an ihre Traditionen und aktuelle Herausforderungen erinnern.
  • Kinder können bereits am Vormittag in Kindergärten und Schulen über die Arche Noah sprechen und Bilder dazu malen.
Anregungen für den Ablauf eines Arche-Noah Festes

Zum Beginn können Angehörige verschiedener Religionen ihre schriftlichen und mündlichen Überlieferungen und Traditionen zur Arche Noah darstellen.

 

 

In einem Vortrag oder Film kann der Artenrückgang und die Bedeutung der biologischen Vielfalt für Pflanzen, Tiere und Menschen aufgezeigt werden.

In einer Diskussion können Anregungen und Verabredungen ausgetauscht werden:

  • Gemeinden können Innenhöfe biodiversitäts-freundlich umgestalten.
  • Grünflächen rund um religiöse Gebäude oder auf Friedhöfen können naturschutzverträglich gestaltet und gepflegt werden.
  • Gemeinden können „Patenschaften“ einer bedrohten Tier- oder Pflanzenart übernehmen und sich für deren Erhalt engagieren.
  • Nistkästen für Vögel und Fledermäuse können eingerichtet werden.
  • Eine Dachbegrünung oder Fassadenbegrünung kann mit heimischen Pflanzen verabredet werden.
  • Hecken- und Baumpflanzungen mit heimischen Arten können vorgesehen werden; dabei sind blühende und Früchte tragende Sträucher für Insekten und Vögel besonders nützlich.
  • Kurz gemähte grüne Einheitsrasen können zu blühenden Wiesen umgestaltet werden oder zu Wiesen mit Inseln von Wildblumen.
  • Steinhaufen als Unterschlupf für kleine Tiere können aufgeschüttet werden.
  • Vorführungen von Tänzen oder gemeinsames Tanzen sind möglich.

Zum Abschluss kann die Aschura-Suppe gemeinsam gegessen werden, die aus einer Vielfalt von Zutaten zubereitet wird und die zur muslimischen Arche-Noah-Tradition gehört.

Ashura Suppe

Zutaten:

 

 

100 g Weiße Bohnen

100 g Kichererbsen

100 g Weizen

100 g Milchreis

100 g Walnüsse

100 g Haselnüsse

100 g Mandeln

100 g Rosinen

5 Feigen

3 getrocknete Aprikosen

Orangenschale

200 g Zucker

Granatapfel und Pistazien

Zubereitung:

  1. Schneiden Sie die Haselnüsse, die Aprikosen und die Feigen klein.
  2. Den Weizen, die Kichererbsen und Bohnen sollten Sie bereits am Vortag in reichlich Wasser einweichen.
  1. Am nächsten Tag gießen Sie das Wasser ab. Der Weizen muss mit reichlich Wasser 10 Minuten aufkochen und sollte dann mit Hilfe eines Siebes gewaschen werden.
  1. In einen ausreichend großen Topf mit Wasser geben Sie die Bohnen, den Weizen und die Kichererbsen, bringen das Wasser zum Kochen bis alles weich ist.
  1. Anschließend geben Sie die Nüsse, den Zucker und die Orangenschale hinein und lassen alles 15 Minuten weiterkochen.
  1. Nun geben Sie die getrockneten Früchte dazu. Schalten Sie den Herd aus und lassen die Suppe noch eine Weile auf der warmen Herdplatte ziehen.
  2. Wenn die Masse eine dickflüssige Konsistenz erreicht hat, aber noch nicht klumpt, ist die Suppe fertig. Nach dem Erkalten wird sie noch etwas fester. Ist die Suppe zu dickflüssig, können Sie auch während sie auf dem Herd ist etwas Wasser nachgeben.
  1. Die Suppe nun in Schalen füllen und mit Granatapfelkernen, klein geschnittenen Aprikosen und Pistazien verzieren. Die Granatapfelstückchen machen die Suppe nicht nur ansehnlich fürs Auge, sie verleihen ihr auch eine fruchtig süße Note. Wenn sie abgekühlt ist, kann man die Aschura-Suppe genießen und die Nachbarschaft, Freundinnen und Freunde dazu einladen.

(Rezept entnommen aus: „Die Natur feiern – Naturschutz und religiöse Feste: Bonn 2020)

Die Bedeutung der Noah Erzählung in den abrahamischen Religionen

Die Bedeutung der Arche Noah aus religiöser Perspektive
Die Arche Noah Erzählung findet sich in den abrahamischen Religionen. Jede Religion legt andere Schwerpunkte und zieht andere Schlüsse aus der Erzählung. Im Folgenden finden sich Beschreibungen und Auslegungen von Vertretern der abrahamischen Religionen, die aus ihrer Sicht die Bedeutung des Noah Narrativs darlegen.
Die Erzählung von Noach und der Sintflut aus christlicher Perspektive

Eine kurze Nacherzählung der biblischen Sintfluterzählung als Lesehilfe:

 

Gott sieht (nach den Gewalttaten in Gen 4 [Brudermord Kains an Abel] und 5), dass der Mensch und alle Lebewesen die Erde durch ihre Bosheit und Gewalttat verdorben haben und beschließt deshalb, die Erde mit allen Lebewesen zu verderben (Gen 6,5-7 // 11-13). Nur Noach als Gerechter unter seinen Zeitgenossen, der seinen Weg mit Gott geht, findet Gnade in den Augen Gottes (6,8.9-10). Deshalb beauftragt ihn Gott eine Arche zu bauen (6,14-16), da er eine Flut bringen wird, um alles Leben auf der Erde zu vertilgen (6,17). Aber das Leben soll mit dem gerechten Noach nach der Flut weitergehen und deshalb soll er seine Familie – auch seine Söhne und Schwiegertöchter, damit die Menschheit sich neu ausbreiten kann – und von allen Arten der Lebewesen Tierpaare mitnehmen, was Noach genau ausführt (6,18-22 // 7,1-5 [sieben Paare von den reinen Tieren in 7,1-5 im Blick auf das Opfer in 8,20]). Als die Flut kommt, geht Noach mit allen Lebewesen, die Gottes gute Schöpfung sind, in die Arche, die Gott hinter ihnen verschließt (7,6-16). Die Flut bedeckt die ganze Erde, selbst die Berge, und alles Leben auf der Erde stirbt (7,17-24). Da gedenkt Gott Noachs und aller Lebewesen mit ihm in der Arche und lässt die Flut zurückgehen, die Arche setzt auf den Bergen von Ararat auf und trockenes Land wird sichtbar (8,1-5). Durch die Aussendung eines Raben und dreimal einer Taube erkennt Noach, dass die Flut vorüber ist, öffnet das Dach der Arche und sieht, dass die Erde wieder trocken ist (8,6-14). Gott ruft Noach und alle Lebewesen aus der Arche, die die Erde neu bevölkern sollen, und sie folgen dem Ruf (8,15-19). Noach baut einen Altar für Gott und bringt ihm Brandopfer dar. Der beruhigende Duft des Opfers lässt Gott erklären, dass er nie mehr den Menschen verfluchen und alles Lebendige schlagen will, obwohl – das muss der Schöpfer feststellen – „das Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend an“. Die Lebenszyklen der Erde sollen nie mehr aufgehoben werden (8,20-22 //). Gott segnet Noach und seine Söhne, damit sie fruchtbar seien und die Erde füllen. Aber im Unterschied zum Ersten Schöpfungsbericht hat sich das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren geändert: Furcht und Schrecken vor dem Menschen sind auf den Tieren, denn in seine Hand sind sie gegeben als Nahrung, nur ihr Blut darf er nicht verzehren. Das Leben des Menschen aber darf nicht angetastet werden, Tier und Mensch sollen dafür zur Verantwortung gezogen werden (9,1-7). Gott errichtet schließlich mit Noach und seinen Söhnen einen Bund, in den alle ihre Nachkommen und alle Lebewesen eingeschlossen sind, dass er nie wieder durch eine Flut die Erde und die Lebewesen auf ihr verderben will. Als Zeichen soll ihn (Gott) sein Bogen daran erinnern, den er in die Wolken stellt (9,8-17).

Einige Gedanken zur bibeltheologischen Bedeutung der Noach-Erzählung aus christlicher Sicht:

  1. Die Erzählung von Noach und der Sintflut lesen wir im ersten Teil unserer christlichen Bibel, der Heiligen Schrift des Jüdischen Volks. Altes und Neues Testament zusammen – so in der christlichen Terminologie –, bilden die zwei-eine Heilige Schrift der Christen. Die Erzählung im Buch Genesis/1. Mose gehört also nicht zur Vorgeschichte der christlichen Religion, sondern ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil unserer christlichen biblischen Überlieferung, die wir in ihrem kanonischen Gesamtzusammenhang lesen und auslegen. Wir Christen teilen dieselbe Erzählung mit dem Judentum, auch wenn die jüdischen und christlichen Auslegungstraditionen, v.a. in der Moderne, verschiedene Wege genommen haben.
  2. Die Sintfluterzählung steht aber auch in einem besonderen literarischen Kontext: Sie ist Teil der Urgeschichte in Gen/1. Mose 1-11 ganz am Anfang der Bibel und hat mit ihr einen universalen und allgemein-menschlichen Fokus. Sie spricht über die ganze Schöpfung und über alle Menschen in ihrer gemeinsamen Würde, nicht etwa nur von den Angehörigen der eigenen Religion oder des eigenen Volkes. Dieser universale und allgemein humane Anfang der Bibel ist ein wesentlicher Teil ihrer Botschaft: Was sie über den Menschen und seinen Auftrag in der Schöpfung sagt, verbindet aus ihrer Sicht alle Menschen miteinander. Das spiegelt sich auch darin, dass die Sintfluterzählung eine Menschheitsgeschichte ist, die sich nicht nur in späteren religiösen Überlieferungen findet (etwa dem Koran und davon inspirierten religiösen Traditionen), sondern auch schon vor ihrer Aufnahme in die Jüdische Bibel in den Kulturen Mesopotamiens begegnet.
  3. Innerhalb der biblischen Urgeschichte bildet sie einen literarischen Zusammenhang mit dem Ersten Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,4a): Auf der Ebene der (priesterschriftlichen) Erzählung (in der biblischen Sintfluterzählung sind verschiedene literarische Überlieferungen zusammengeflossen) ereignet sich die Sintflut (7,11-12; 8,2) in dem Kosmos, so wie er im Schöpfungstext beschrieben ist (1,6-10). Der Segen nach der Sintflut (9,1) entspricht dem Schöpfersegen in 1,28. Das Ergebnis der Sintfluterzählung im Bund mit Noach und seinen Geboten (9,3) bezieht sich zurück auf die Anweisungen des Schöpfers für die Ernährung der Lebewesen (1,29-30). Auch wenn nach der Sintflut etwas wesentlich anders geworden ist in der Schöpfung (s.u.), bleibt der Erste Schöpfungsbericht, der so eindrucksvoll die ganze Bibel eröffnet, die Grundlage, auf der die Sintfluterzählung zu lesen ist. Erst zusammen ergeben sie ihren vollen Sinn.
  4. Wir müssen Schöpfungs- und Ursprungstexte – das gilt für die jüdisch-christliche Bibel und für andere Kulturen – gewissermaßen „von hinten“, von ihrem Ergebnis her lesen und verstehen. Sie wollen in ihrer religiösen und kulturellen Tradition nicht erzählen, wie etwas am Anfang geworden ist, sondern theologisch erklären, warum die Welt, in der wir leben, so ist, wie sie ist, und was das für uns und unser Handeln bedeutet. Aus der Sicht der biblischen Urgeschichte leben wir im Kosmos nach der Sintflut. Gott hat am Anfang alles „sehr gut“ erschaffen (1,31). Der Erste Schöpfungsbericht hebt besonders die Mitgeschöpflichkeit der Lebewesen hervor, die alle vom Schöpfersegen umschlossen sind (1,20-30). Gott hat den Kosmos ohne Gewalt unter den Lebewesen geschaffen: Keines soll für das andere als Nahrung dienen, auch nicht Tiere für den Menschen (1,29-30). So wird Gott die Welt der biblischen Überlieferung nach am Ende der Zeit wieder herstellen, mit vollkommener Gewaltlosigkeit unter allen Lebewesen (Jes 11,6-9). Aber nach der Sintflut, durch die Gott vergeblich die sündige Gewalttätigkeit und Bosheit der Lebewesen untereinander beseitigen wollte, die gegen seinen Schöpferwillen in die Schöpfung eingedrungen ist, bejaht er seine Schöpfung auch in ihrer von den Leberwesen entstellten Form und bleibt bei seinem Segen (Gen 9,1). Trotz der unausrottbaren Gewalt ihrer Bewohner wird er sie nicht (noch einmal) vernichten und schließt einen Bund mit allen Lebewesen, an den ihn der Bogen als Zeichen in den Wolken erinnern soll (9,8-17). Er wird das Leben der Menschen nicht noch einmal in Frage stellen (8,21-22): „Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.“ (8,22) Das ist eine unbedingte Bejahung des Lebens der Geschöpfe und von deren Eigenwert, die auch schon in den ältesten vorbiblischen Formen der Sintfluterzählung eine Rolle spielt.
  5. In der biblischen Darstellung wird die Gewalt aber reguliert und es werden ihr Grenzen gesetzt: Der Schöpfer räumt dem Menschen die Tötung von Tieren als Nahrung ein, aber das wird als „Schreckensherrschaft“ des Menschen über die Tiere betrachtet (9,2-3). Nur „Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut“ darf nicht verzehrt werden. Im Blut ist das Leben (Lev 17,11), das trotz allem nicht in der Verfügungsgewalt des Menschen ist. Und grundsätzlich darf das Leben des Menschen, den Gott als sein Bild geschaffen hat (vgl. Gen 1,27), nicht angetastet werden (9,5-7). D.h. es bleibt eine Spannung bestehen zwischen der Schöpfung am Anfang und der Situation nach der Sintflut: Der Erste Schöpfungsbericht verliert nicht seine Bedeutung, sondern bleibt als Formulierung des Schöpferwillens bestehen und wirksam als Handlungsimpuls: Dem Menschen bleibt als Ideal die von Gott gewollte gute Schöpfung vor Augen gestellt, in der alle Lebewesen unter dem Segen des Schöpfers stehen. Der Herrschaftsauftrag für den Menschen (1,26.28), den er als sein Bild bzw. seinen Repräsentanten in der Schöpfung gebildet hat, kann nur ein Hirtenauftrag sein. In Zeiten industrialisierter Massentierhaltung und -tötung zur Nahrungsmittelproduktion ist das eine wichtige Botschaft der Bibel.
  6. Der Zusammenhang von Gen 1-2,4a und 6-9 erzählt, wie die Welt von Gott vollkommen gut geschaffen sein kann, durch Gewalt entstellt ist und dennoch ihre Würde als die von Gott gewollte Schöpfung behält, bekräftigt auf Dauer durch den Bund Gottes mit Noach. Die Sintfluterzählung weiß um ihre Gefährdung. In mythischer Sprache, die hier noch mitschwingt, wird das als Hereinbrechen des Chaoswassers der Flut beschrieben. V.a. wird aber der Mensch zum Handeln in seiner bleibenden Verantwortung für die Schöpfung gerufen. Der Hirtenauftrag von Gen 1,26.28 bleibt, wie gesagt, bestehen. [Anschlussmöglichkeit: „Noach und die Bienen“]
  7. In der biblischen Überlieferung ist die Sintfluterzählung als Rettungsgeschichte gelesen und aufgegriffen worden, die v.a. die radikale und dauernde Wende zum Guten ausdrückt, so nach dem Exil:

Jes 54,8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.

Im Neuen Testament wird die Rettung durch die Taufe mit der Rettung der Menschheit durch die Arche in der Sintflut verglichen:

1 Petrus 3,18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde. 19 In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt. 20 Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete, während die Arche gebaut wurde; in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen, durch das Wasser gerettet. 21 Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet. Sie dient nicht dazu, den Körper von Schmutz zu reinigen, sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi, 22 der in den Himmel gegangen ist; dort ist er zur Rechten Gottes und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

  1. In der kirchlichen Schriftauslegung hat das – neben der Arche als Bild für die „Kirche der Sünder“, die sich darin eben auch finden – für lange Zeit zu einer verengenden Deutung der Arche als Kirche geführt, verbunden mit der Vorstellung, dass alle außerhalb der Arche bzw. der Kirche in der Flut verloren sind, also einem christlichen Heilsexklusivismus das Wort geredet (z.B. Cyprian von Karthago). Wir müssen die Schrift und ihre Überlieferung(en) – im Rahmen ihres kanonischen Gesamtsinns – immer wieder neu auslegen und aktualisieren. Gerade der Blick auf die universale und allgemein menschliche Bedeutungsdimension der Noacherzählung im Rahmen der biblischen Urgeschichte legt es aus christlicher Perpektive nahe, angeregt durch den interreligiösen Dialog, hier eine andere Geschichte zu erzählen: Unsere gemeinsame Aufgabe und ein gemeinsames Anliegen der Religionen ist es, beauftragt von Gott, sich für die von ihm auch in ihrer Entstellung bejahte Schöpfung bzw. die Natur einzusetzen. Die Zusage der Noacherzählung gilt allen Menschen und gemeinsam können wir Gott dafür danken.
Die Bedeutung der Arche Noah aus jüdischer Perspektive
Die Bedeutung der Arche Noah aus christlicher Perspektive
Die Bedeutung der Arche Noah aus muslimischer Perspektive
SPENDEN