Schana towa! Neujahr und Versöhnungstag 5787
Eine Achterbahnfahrt: So kann man gut zusammenfassen, was Jüdinnen und Juden im September mit einer ganzen Reihe von Feiertagen erwartet. Am Neujahrstag (Rosch Haschana) feiern wir den Geburtstag der Welt mit einem Rückblick und einem Ausblick: Was ist gelungen und was nicht? Und was sind unsere Ziele für das neue Jahr? Der Tag ist eine Mischung aus Optimismus und ernsthafter Besinnung, mit runden Broten, Äpfeln mit Honig als Geburtstagskuchen und den Klängen des Schofars (Widderhorns) als Weckruf.
Zehn Tage später, am Großen Versöhnungstag (Jom Kippur), wird es erst richtig ernst. Dann kommen wir zusammen, um an unserer Seele zu arbeiten und darüber nachzudenken, was wir wirklich wollen: für uns selbst, unsere Gemeinschaft und die Welt. Im Idealfall essen und trinken wir 25 Stunden lang nichts, haben keinen Sex und benutzen unser Handy nicht. Am Vorabend stehen wir schlicht in Weiß gekleidet und mit einfachen weißen Sportschuhen ohne Leder vor der geöffneten Lade mit den Tora-Rollen und lauschen dem Kol Nidré (alle Gelübde), dessen beeindruckende Melodie uns seit jeher begleitet und uns zu Reue und Besinnung anspornt. Einen ganzen Tag später beenden wir das nicht minder beeindruckende Schlussgebet (Ne’ila) mit unserem Glaubensbekenntnis „Shema Yisrael“ (Höre, Israel) und einem letzten langen Schofar-Ton. Einige Minuten später sitzen wir erleichtert am Tisch, um uns kurz darauf auf das achttägige Laubhüttenfest (Sukkot) vorzubereiten, das mit einem Fest zum Beginn eines neuen Zyklus von Tora-Lesungen endet (Schlussfest, Schmini Atzeret), bei dem wir mit den Tora-Rollen in der Synagoge tanzen.
Was ist das Geheimnis dieser eindrücklichsten Feiertage im jüdischen Kalender, die auf Hebräisch nicht zu Unrecht «ehrfurchtgebietende Tage» (Jamiem Nora’im) genannt werden?
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