Unterwegs als Team:
Juden, Christen und Muslime aktiv an Schulen

Seit 20 Jahren fördert das Abrahamische Forum
ein gutes Miteinander der Religionen

Ob in Schulen oder Jugendclubs, in der Lehrerfortbildung, auf Konferenzen, in Synagogen, Kirchen oder Moscheen: Die Vertreter*innen von Judentum, Christentum und Islam sind stets als Team im Einsatz – und fördern damit aktiv ein gutes Miteinander der Religionen. Seit 20 Jahren bringt das Abrahamische Forum in Deutschland ganz bewusst Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammen und trägt damit viel zum Frieden im Land bei. „Menschen aus verschiedenen Religionen feiern gemeinsam“, sagt der Geschäftsführer des Vereins, Jürgen Micksch, in Darmstadt. „Das war nicht immer selbstverständlich.”

Als sich das Abrahamische Forum am 6. Februar 2001 in Heppenheim offiziell gründete, herrschte in Deutschland eine andere Stimmung: Immer wieder kam es zu Angriffen auf Synagogen, Kirchen und Moscheen. In vielen Gemeinden gab es mehr oder weniger offen Vorbehalte gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Das Abrahamische Forum setzte sich zum Ziel, die Gemeinsamkeiten zu betonen – und gleichzeitig die Unterschiede anzuerkennen. Mit Erfolg. Die interreligiöse Initiative hat seither über 600 Veranstaltungen sogenannter Abrahamischer Teams – bestehend aus qualifizierten Vertreter*innen des Judentums, Christentums und des Islam – durchgeführt, in Deutschland und in Mittelmeerländern.

Ein Schwerpunkt liegt auf Besuchen in Schulen und Treffen mit Jugendgruppen. Dabei sprechen die Teams nicht nur über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Religionen und stehen für Diskussionen zur Verfügung, sondern leben vor allem aktiv vor, wie ein friedliches Miteinander aussieht. Häufig werden auch Bahais und Buddhisten eingeladen. Das Forum hat zudem Islamforen entwickelt und das Projekt „Religionen für biologische Vielfalt“ initiiert.

Ihre Friedensarbeit setzte bei dem Bewusstsein an, dass alle drei Religionen die gleichen Wurzeln hätten, so Micksch. Juden, Christen und Muslime betrachten Abraham – beziehungsweise Ibrahim – als ihren geistigen Stammesvater. Der Vorsitzende des Abrahamischen Forums, der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel, betont, wie wichtig eine gemeinsame spirituelle Basis für die Zusammenarbeit sei. „Wir sind Juden, Christen und Muslime“, sagt Kuschel, „aber gleichzeitig auch Kinder von Abraham.“ Dieser Glaube habe praktische Konsequenzen. „Das ist nicht nur eine nette Idee.“ Damit einher gehe eine Verpflichtung, auch mit Blick auf Gesellschaft und Politik.

20 Jahre nach Gründung der Initiative seien weiterhin Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus verbreitet, sagt Micksch. „Aber es gibt mehr und mehr Kooperationen zwischen den Religionen und gemeinsame Feste.“ Das sei ein toller Erfolg. So beteiligten sich bei den UN-Wochen gegen Rassismus über 1.700 Moscheegemeinden und zahlreiche Synagogen.

Im Abrahamischen Forum in Deutschland arbeiten Vertretungen des Zentralrates der Juden, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, des Zentralrates der Muslime und andere muslimische Einrichtungen, des Geistigen Rates der Bahai mit Wissenschaftlern und Experten zusammen. Das Abrahamische Forum ist explizit offen für andere Religionen.

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